Direkt zu:
Panorama Stadtansicht
Social Media 
Sprache 

Zusatzinformationen
07.06.2018

Was die Namen der Korbacher Straßen erzählen: Von A wie Aarbergstraße bis Z wie Zur Laake

Straßennamenbüchlein des Korbacher Stadtarchivs in neuer Fassung erschienen

Das vom Stadtarchiv Korbach herausgegebene Büchlein „Was die Namen der Korbacher Straßen erzählen und …was sie verbergen“ ist überarbeitet worden und in neuer Aufmachung erschienen. Das von dem Mitarbeiter des Stadtarchivs Dr. Erwin Günther mit Unterstützung seiner Kolleginnen und Kollegen verfasste Buch haben Bürgermeister Klaus Friedrich und Archivleiter Wolfgang Kluß vorgestellt. Es sind jetzt über 500 Namen von Straßen, Wegen und Plätzen in Korbach und den Ortsteilen, denen in dem Büchlein auf den Grund gegangen wird.

Das Büchlein ist ein ausgesprochen informativer Beitrag zur Geschichte Korbachs und seiner Ortsteile, lobt Bürgermeister Klaus Friedrich die Arbeit Günthers. Er freue sich, dass die überarbeitete Auflage noch rechtzeitig vor dem Hessentag erschienen sei. Denn nicht nur Alteingesessenen und Neubürger Korbachs, sondern auch mancher historisch interessierte Besucher von Korbach möchten gern wissen, was sich hinter so wunderlichen Namen wie beispielsweise Gatze (in Lengefeld), Am Paulacker (in Korbach), Am Unterborn (in Meineringhausen), Am Gruggelbusch (in Goldhausen), Am Wiperich (in Nordenbeck) oder Ascher (in Korbach) verbirgt.

Nicht nur historische Gebäude wie Kirchen, Rathaus, Stadtmauer usw. erzählen von früheren Zeiten, sondern auch die Namen von Straßen, Gassen und Wegen“, betont Archivleiter Wolfgang Kluß. Oft seien es nur Straßennamen, die an längst verfallene Einrichtungen wie Stadttore, Mühlen, Brunnen, Wasserleitungen oder verlassene Wohnstätten wie Dalwigk oder Eidinghausen oder bedeutende Korbacher Persönlichkeiten wie den Landvermesser Jost Moers, den Stifter des Altenheims Jakob Wittgenstein oder den Bürgermeister Paul Zimmermann oder an historische Flurbezeichnungen wie Holunderflosse oder Fischerweg erinnern.

In Korbach habe 1926 der Gemeinderat beschlossen, berichtet Erwin Günther aus seinen Forschungsarbeiten, „jeder Straße und jeder Gasse einen Namen zu geben und jedem Haus eine eigene Hausnummer“. Vorher habe man einfach nur „am Tränketor“ oder „hinterm Kloster“ oder „an der Windmühle“ gesagt. Viele Namen von Straßen, Wegen und Plätzen gerade aus der Anfangszeit der Straßenbenennungen, sagt Erwin Günther, verweisen einfach nur auf vorhandene oder frühere örtliche Gegebenheiten, so die Bahnhofstraße, die Rathausgasse oder der Marktplatz. Da sei die Herkunft des Namens eindeutig.

Überwiegend allerdings seien die Namen der Straßen und Gassen nicht so offenkundig. Allerdings habe schon Jacob Grimm 1840 gesagt, dass alle Eigennamen in ihrem Ursprung sinnlich und bedeutsam seien. Wenn etwas genauer benannt werde, müsse ein Grund da sein, warum es so und nicht anders heißt: Die Ergründung dieser Namen verbreite Licht über die Sprache, Sitte und Geschichte unserer Vorfahren. Dass dies so ist, habe sich auch bei seinen Forschungen zur Herkunft und Bedeutung der Namen der Straßennamen bestätigt.

Viele Straßennamen, betont Erwin Günther, gingen auf alte, nicht mehr allgemein bekannte Flurbezeichnungen zurück, wie beispielsweise Am Staten (in Nieder Schleidern) oder am Rothbusch (in Lelbach) zurück oder sie verweisen auf historische, längst vergessene Gegebenheiten, wie die Korbacher Verteidigungsanlagen im Mittelalter (Zur Landwehr) oder an einen Mordstein (Auf Lülingskreuz) oder an den Weg der Fischer von der Eder nach Korbach (Am Fischerweg). Um die Herkunft dieser Namen zu ermitteln, habe er alte Flurkatasterkarten, Chroniken und vergilbte Urkunden auswerten müssen.

Manche Straßen- und Flurnamen seien sehr alt, durch viele volkstümliche Sprech- und Schreibweisen gewandelt worden und daher nicht immer sicher erklärbar. So gebe es für manche Straßennamen, wie beispielsweise für die Straßen Bäukerweg (in Nieder-Schleidern), Am Baukler (in Goldhausen) oder Schoosweg (in Ober Ense), mehrere Deutungen.

Historisch interessant sei auch, dass manche Straßenbezeichnungen insbesondere aus der Zeit von 1933 bis 1945 nach dem Krieg verschämt wieder geändert werden musste. Der Völkerverständigung dienten dagegen die Partnerschaften mit Städten in Frankreich, Polen und Tschechien, in dessen Folge auch Straßen in Neubaugebieten bezeichnet wurden (Straße von Avranches, Pyritzer Straße, Vysoko-Myto-Straße). In der Zeit um 1990 wurden Straßen auch nach Städten der ehemaligen DDR benannt. Hin und wieder war in den politischen Gremien aber auch die Fantasie gefragt. So wurden ganze Stadtviertel nach Dichtern oder Blumen benannt. Manche Straßennamen kennzeichnen aber auch die historischen zwischengemeindlichen Wegeverbindungen.

In dem Büchlein wird (fast) jede Frage in Zusammenhang mit den Namen der Korbacher Straßen, Plätze und Wege in anschaulicher Form beantwortet. Einige Leser gaben auch Anregungen und Hinweise über den Hintergrund mancher Bezeichnungen. Dennoch konnten Bedeutung und Herkunft mancher Straßen (noch) nicht geklärt werden.

Das Büchlein ist ab sofort im Buchhandel, im Bürgerbüro und im Stadtarchiv zum Preis von 6 Euro zu erwerben.