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07.06.2021

Digitales Denkmal für Korbach - gefördert vom Lions-Club

Korbach ist um ein digitales Denkmal reicher. Mit der App „Gedenkportal Korbach“ kann man sich jetzt auf einen digitalen Rundgang durch Korbachs NS-Zeit begeben.

Die Idee dazu hatte die Historikerin und Oberstudienrätin Dr. Marion Lilienthal (Gegen Vergessen – Für Demokratie). Dirk Geisler, Präsident des Lions-Club Korbach-Bad Arolsen, regte an, eine zeitgemäße Vermittlungsform zu finden, die an die Schicksale der Verfolgten des NS-Regimes in Korbach erinnern und gleichzeitig die Dimension der NS-Verbrechen aufzeigen soll.


Der technischen und konzeptionellen Umsetzung nahm sich der Oberstufenschüler Jakob Chrobacsinsky (Alte Landesschule) in bemerkenswerter Weise an. Über ein Jahr wurde an der Umsetzung getüftelt und gefeilt. Das Icon entwarf Lisanne Schwalenstöcker. Dank gilt auch Marek Trapp und Björn Wolter von der EDV-Abteilung der Kreis- und Hansestadt Korbach.

An 24 exemplarischen Stationen verdeutlicht Dr. Marion Lilienthal, welche schwerwiegenden Folgen der Nationalsozialismus für die jüdische Bevölkerung hatte. Es werden Beispiele von Ausgrenzung, Vertreibung, Verfolgung, Vernichtung und (Mit-)Täterschaft beleuchtet. Die Stationen verdeutlichen, wie schnell sich die nationalsozialistische Gleichschaltung in Korbach vollzog und, dass es antisemitische Tendenzen nicht erst seit 1933 gab. Die App macht einen Teil jüdischer Geschichte deutlich, die bis heute vielfach unbekannt ist. Man begegnet Einzelschicksalen und erfährt etwas über die jüdische Gemeinde in Korbach, ihre schrittweise Ausgrenzung, von Boykottmaßnahmen, Beschränkungen, erzwungener Emigration, Ausplünderung, gescheiterten Fluchtversuchen, Deportation und Ermordung in den Vernichtungslagern. Die Stationen verdeutlichen, wie verbrecherisch Nationalsozialisten vorgingen und welche gravierenden Auswirkungen der NS-Herrschafts- und Verfolgungsapparat hatte. Sie verweisen aber auch auf Handlungsoptionen. Denn es gab auch Menschen, die Verfolgten beistanden.

Zunächst ist die App nur für IOS-Geräte verfügbar. Bis Ende des Jahres soll auch eine Android-Fassung vorliegen. Gefördert wird das Projekt von der Kreis- und Hansestadt Korbach. Bürgermeister Klaus Friedrich begrüßt die zeitgemäße Umsetzung des Anliegens, insbesondere in Zeiten erstarkenden Antisemitismus.